In den vergangenen Seasons haben wir uns viel mit dem Status Quo in der Podcast-Welt beschäftigt. Season 9 richtet den Blick nach vorn – auf Innovationen im Podcasting. Wie weit fortgeschritten ist das Thema Interaktivität bei Podcasts? Und wohin geht die Reise in Sachen KI? Antworten darauf findet ihr in diesem Blogtext.
Interaktive Podcasts: Spielerei oder die Zukunft von Audio?
Airpods rein, Podcast an und zuhören. So kennen und lieben wir Podcasts. Doch was wäre, wenn wir als Hörer:innen nicht mehr einfach nur zuhören, sondern bei einem Podcast selbst mitentscheiden könnten, was als Nächstes passiert? Wenn wir auswählen könnten, welche Inhalte für uns relevant sind, wie tief wir in ein Thema einsteigen möchten oder welchen Verlauf eine Geschichte nimmt? Genau hier setzt ein aktueller Trend in der Podcast Welt an: interaktive Podcasts. Sie machen aus einem linearen Audioformat ein Erlebnis, bei dem Hörer:innen tatsächlich selbst Einfluss auf die Inhalte nehmen können. Das Prinzip dahinter lautet „Choose your own adventure“. Ihr kennt das vielleicht aus Büchern: Am Ende eines Kapitels trefft ihr als Leser:in eine Entscheidung: Öffnet ihr die Tür oder lauft ihr weg? Je nachdem, welche Option ihr wählt, geht die Geschichte an einer jeweils anderen Stelle weiter. Dasselbe Prinzip lässt sich auch auf interaktive Podcasts übertragen. Eine Episode oder ein Abschnitt endet mit einer Auswahl und die Hörer:innen entscheiden, was sie als Nächstes hören möchten. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das interaktive Hörspiel „Das Abenteuer in der Unterwelt“, das die ARD 2025 veröffentlicht hat. Darin begleiten Hörer:innen drei Kinder auf einem Abenteuer und können an insgesamt sechzehn Stellen selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergeht. Die Story kann ganz klassisch als Podcast gehört werden. Wer selbst Entscheidungen treffen möchte, nutzt dafür eine eigene interaktive Plattform.
Interaktivität auch im Corporate Bereich?
Weiter gedacht lässt sich Konzept der interaktiven Podcasts auch auf Wissens- und Corporate Podcasts übertragen. Ein Wissenspodcast könnte Hörer:innen beispielsweise zu Beginn fragen, wie viel Vorwissen sie bereits zu einem Thema haben. Wer die Grundlagen noch nicht kennt, startet mit den Basics. Wer schon mehr weiß, kann diesen Teil überspringen und direkt mit weiterführenden Inhalten beginnen. Dadurch entsteht ein Audioerlebnis, das stärker auf den individuellen Wissensstand und die jeweiligen Interessen der Hörer:innen zugeschnitten ist. Besonders spannend könnte diese Entwicklung für Unternehmenspodcasts sein. Statt in einem Corporate Podcast Format allen Hörer:innen dieselben Inhalte zu präsentieren, könnte man sie bereits zu Beginn aktiv (beispielsweise in Kategorien) auswählen lassen, welcher Unternehmensbereich sie besonders interessiert: Marketing, IT oder vielleicht Produktion? Je nach Auswahl würden sie unterschiedliche Mitarbeiter:innen kennenlernen und Einblicke in deren Arbeitsalltag bekommen. Auch im Onboarding könnte dieses Prinzip eingesetzt werden. Statt allen neuen Mitarbeiter:innen dieselbe einstündige Audiofolge über das gesamte Unternehmen vorzuspielen, könnte man sie selbst entscheiden lassen, welche Bereiche sie genauer kennenlernen möchten. Auch Weiterbildungen könnten interaktiver aufgebaut werden – beispielsweise, indem Mitarbeiter:innen mit einer konkreten Situation konfrontiert werden und dann entscheiden müssen, wie sie nun reagieren würden. Anschließend erfahren sie, welche Konsequenzen ihre Entscheidung hätte.
Warum gibt es noch so wenige interaktive Podcasts?
Das klingt alles sehr spannend, leider gibt es aktuell aber noch einige Herausforderungen. Eine davon ist der hohe Produktionsaufwand. Bei einer klassischen Podcast Episode gibt es einen vorgegebenen Ablauf. Sobald mehrere Wege möglich sind, müssen logischerweise auch mehrere Verläufe konzipiert, aufgenommen, geschnitten und produziert werden. Dazu kommt die technische Komponente: Plattformen wie Spotify und Apple Podcasts sind aktuell noch nicht für komplexe interaktive Erlebnisse ausgerichtet. Wer komplexere Interaktionen ermöglichen möchte, braucht daher zusätzliche technische Lösungen. Und dann ist da ja noch eine der größten Stärken des Podcast selbst: seine Einfachheit. Podcasts funktionieren schließlich auch deshalb so gut, weil wir sie nebenbei konsumieren können. Beim Autofahren, Kochen, Sport oder Spazierengehen drücken wir auf Play und müssen uns um nichts weiter kümmern. Wenn wir dagegen alle paar Minuten das Smartphone in die Hand nehmen müssen, um eine Entscheidung zu treffen, kann Interaktivität auch schnell mühsam werden.
Spielerei oder Zukunft?
Werden wir in Zukunft also nur noch interaktive Podcasts hören? Wahrscheinlich eher nicht. Gerade das passive und unkomplizierte Hörerlebnis ist eine der großen Stärken von Podcasts und wird auch weiterhin seine Berechtigung haben. Interaktive Formate müssen den klassischen Podcast deshalb auch gar nicht ersetzen. Für bestimmte Einsatzbereiche könnten sie aber eine spannende Ergänzung sein – etwa für Fiction und Kinderformate, Wissensvermittlung, Employer Branding, Onboarding oder Trainings.
KI im Podcasting: Chancen und Challenges
Dieser Blogtext könnte von einem Menschen geschrieben worden sein. Oder von einer KI. Was vor wenigen Jahren noch schwer vorstellbar war, ist heute Teil unseres Arbeitsalltags. Künstliche Intelligenz schreibt Textvorschläge, erstellt Transkripte, verbessert Audioaufnahmen, übersetzt Inhalte und kann sogar Stimmen imitieren. Die entscheidende Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob KI im Podcasting eingesetzt wird. Sondern wo sie wirklich sinnvoll unterstützt – und wo wir bewusst nach wie vor den Menschen brauchen.
KI als effiziente Unterstützung in der Podcast-Produktion
Wir sind unter anderem in Season 5 bereits etwas näher auf unsere bevorzugten Tools in der Podcast-Produktion eingegangen. Wo wir die KI sehr gern einsetzen, ist beispielsweise bei der Transkript-Erstellung. Tools wie Descript erkennen unterschiedliche Sprecher:innen, setzen Timecodes und kommen auch mit unterschiedlichen Sprechgeschwindigkeiten oder Dialekten immer besser zurecht. Ganz ohne menschliche Kontrolle geht es allerdings (noch?) nicht. Besonders bei Fachbegriffen, Unternehmensnamen oder Eigennamen können Fehler entstehen. Ein abschließender Qualitätscheck durch unseren Post-Producer ist deshalb unumgänglich. Auch die Tools für die Nachbearbeitung werden immer besser. Störgeräusche reduzieren, schlechte Audioqualität verbessern, lange Pausen kürzen oder „Ähs“ entfernen: Viele Aufgaben, die wir früher bei wepodit noch manuell erledigt haben und die sehr viel Zeit gekostet haben, lassen sich heute schon gut mit der KI erledigen.
KI Sprachsynthese: Fluch und Segen!
Ein absoluter Gamechanger ist natürlich auch für uns als Podcast-Agentur die KI-gestützte Sprachsynthese. Podcast-Inhalte können dadurch in andere Sprachen übertragen und mit synthetisch erzeugten Stimmen eingesprochen werden. Mit den richtigen Tools klingen die Simmen zunehmend natürlich und können mittlerweile sogar Betonungen, Pausen und andere sprachliche Nuancen nachbilden. Für Corporate Podcasts, die international veröffentlicht werden, eröffnet das spannende Möglichkeiten. Für unseren Kunden voestalpine beispielsweise übersetzen wir bereits seit einiger Zeit den myPODCAST zusätzlich zur deutschen Originalversion via KI auf Englisch.
Ab wann wird Voice Cloning problematisch?
Natürlich muss sehr gut abgewägt werden, wie weit der Einsatz einer KI-Stimme gehen soll. Gerade Voice Cloning wirft nämlich Fragen auf, die weit über die Podcast-Produktion hinausgehen. Wenn meine künstlich erzeugte Stimme einen Satz einspricht, den ich selbst nie gesagt habe und dieser veröffentlicht wird – habe ich als Person diesen Satz dann trotzdem „gesagt“? Und vor allem: Was passiert mit dem Vertrauen in ein Format, wenn wir irgendwann nicht mehr sicher wissen können, ob hier tatsächlich die Person selbst zu uns spricht oder aber ihre KI-Personality? Neben diesen ethischen Fragen spielen auch rechtliche Aspekte eine entscheidende Rolle. Gerade beim Klonen und Weiterverwenden von Stimmen ist die Zustimmung der betroffenen Person(en) Voraussetzung.
Fazit: KI als Ergänzung, nicht als Ersatz
KI ist aus der Podcast-Produktion nicht mehr wegzudenken. Viele Anwendungen, die wir heute noch bewusst als „KI-Tools“ wahrnehmen, könnten in einigen Jahren selbstverständlicher Teil unserer Produktionssoftware und unserer täglichen Prozesse sein. Und das muss nichts Negatives sein. Wenn KI repetitive Aufgaben übernimmt, Transkriptionen beschleunigt, Audio verbessert oder uns bei der Recherche und Konzeption unterstützt, schafft sie im besten Fall mehr Zeit für genau das, was einen guten Podcast ausmacht: Ideen, Geschichten, Gespräche und echte Emotionen.
